Weblog des Tengu Dojo Aufenau e.V.

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Philosophie

Karate-Do (der Weg des Karate) gehört zu den Künsten des Budo (Weg, die Lanze zu stoppen). Es ist daher eine Verteidigungskunst, deren Hauptanliegen das Vermeiden von Konflikten ist. Großmeister des Karate verstehen bis in unsere Tage deshalb auch diese Kampfkunst als Weg zum Frieden. Der gezielte Einsatz von Gewalt zur Beendigung einer Konfrontation darf daher immer nur dann erfolgen, wenn keine andere Möglichkeit mehr besteht.

Das Verständnis von Karate veränderte sich allerdings auch, nachdem diese Kunst von Okinawa nach Japan gekommen war. Vor und im zweiten Weltkrieg wurden japanische Kamikaze-Piloten in ihrer Ausbildung unter anderem Schlag- und Tritttechniken des Karate unterrichtet. Daneben entstand der Wunsch, sich mit anderen Karate-ka im Wettkampf zu messen – ein Anliegen, dass den nach Japan gekommenen okinawanischen Meistern völlig fremd war. Nach langem Drängen der japanischen Studenten gaben Funakoshi Gichin und andere Großmeister nach, machten allerdings auch aus ihrer Abneigung gegenüber dieser Deformierung des Karate keinen Hehl.

So gibt es heutezutage drei Weisen, Karate zu praktizieren:

– als wettkampforienterten Kampfsport

– als reines Selbstverteidigungssystem, mit dem ein oder mehrere Gegner schnell und effektiv ausgeschaltet werden können, oder

– als Weg der Persönlichkeitsentwicklung.

 

 

 

 

In unserem (christlichen) Verein steht der Do (Weg) im Vordergrund. Es geht darum, Karate als einen Weg zu begreifen, der den Übenden das innere Gleichgewicht finden lässt, das sich in einem gewaltfreien und respektvollen Umgang mit seiner Umwelt dokumentiert. Wer gelernt hat, mit seinen eigenen Agressionen umzugehen, wer  internalisiert hat, dass allen Menschen eine gottgegebene Würde innewohnt, der braucht keine Gewalt, um sich selbst stark zu fühlen. Derjenige, der Karate studiert, kann sich selbst zurücknehmen, weil er den furchtsamen Respekt seiner Umwelt nicht braucht. Er agiert deeskalierend in aggressionsgeladenen Situationen; er versucht, Konflikte gewaltfrei zu lösen.

 

Ein Sprichwort aus der Tradition der Samurai lautet: „Das Schwert in der Scheide ist ein Schatz!“ Dieser simpel wirkende Satz hat viel mehr Tiefe und umschreibt die rechte innere Haltung eines Karate-ka (Studierenden des Karate- Wegs) wesentlich präziser als viele holprigen Erklärungsversuche der letzten vierzig Jahre. Wer Karate übt, formt aus dem Körper eine scharf geschliffene Waffe. Kommt sie zum Einsatz, kann das zu erheblichen Verletzungen beim Angreifer führen. Deshalb muss der Geist (Bewusstsein und Unterbewusstsein), der den Körper lenkt, ebenso intensiv geformt werden. Ein aufrechter Mensch, der in Gewalt keinen Sinn sieht – so ist das Idealbild eines Karate-ka. Dementsprechend wird nicht nur der Körper, sondern auch die Persönlichkeit „trainiert“. Wer in Konfliktsituationen ohne die Aussicht auf eine friedliche Beilegung sich mit aller Härte mit Karate-Techniken verteidigt, tut das immer auch mit Bedauern.

Derjenige, der noch ein paar Sätze der Bergpredigt, einem der zentralen Texte des Christentums im Ohr hat, wird hier sehr viel Ähnlichkeit zwischen Jesu Botschaft und der Ethik des Karate-Do entdecken: in beidem liegt die Achtung des Mitmenschen und die Vermeidung von Gewalt, die immer ein Ausdruck menschlicher Schwäche ist und bleibt.

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